Geschichte

Geschichte · Mühlerama Seon · Seetal Aargau
Eine Mühle, die mit einem Mord beginnt
Von der ersten Erwähnung 1331 über zehn Jahre Leerstand bis zur Wiedereröffnung im November 2015.
Worum es geht
Fast siebenhundert Jahre an einem Ort
Die Mühle in Seon wurde 1331 zum ersten Mal erwähnt. Seither hat jeder Besitzer das Haus geprägt — Klosterleute, adlige Familien, zwei Müllerdynastien. 1963 stand das Mühlrad still, danach folgten Jahrzehnte des Zerfalls. Heute dreht sich das Rad wieder, und in der Scheune presst eine über hundertjährige Ölmühle Nussöl.
Die Mühle in Seon
Was in diesen Mauern geschah
Am Anfang war ein Mord
Die Geschichte beginnt mit dem Königsmord an Albrecht I., der sich 1308 auf dem Hochplateau in Windisch zutrug. Daraufhin liess die Witwe gemeinsam mit einer Tochter das Kloster Königsfelden erbauen. Die Aufgabe des Doppelklosters bestand darin, für den toten König und die Familie Habsburg zu beten, um den Aufenthalt im Fegefeuer zu verkürzen und den Eintritt ins Paradies zu ermöglichen.
Die erste Erwähnung
Die Mühle in Seon wurde erstmals 1331 im Umfeld des Klosters Königsfelden genannt.
Einflussreiche Müller
Die Müller gehörten bis zum Ende des 16. Jahrhunderts zur bäuerlichen Oberschicht und zählten oft zu den reichsten Menschen im Dorf, weshalb sie auch politisch sehr einflussreich waren. Und dies, obwohl die Müller im Mittelalter lange als «ehrlos» und «betrügerisch» galten.
Die Mühle als Prestigeobjekt
Im 17. Jahrhundert kam die Mühle in den Besitz wohlhabender adliger Familien — etwa der Familie Kasthofer, Besitzer von Schloss Trostburg in Teufenthal, oder der Familie Graviseth, Besitzer von Schloss Liebegg in Gränichen.
Die Mühle als Arbeitsplatz
Ab dem 19. Jahrhundert übernahmen die beiden Müllerdynastien Urech und Merz die Mühle. Familie Urech legte den Grundstein zur Industrialisierung in Seon, indem sie zusätzlich eine Baumwollspinnerei baute. Familie Merz durfte sogar Bundesgetreide mahlen, das der Bund für Krisenfälle herstellen und lagern liess. Auch wurde weiter diversifiziert: Eine Bäckerei wurde eröffnet und feines Rahm-Glacé produziert.
Die Mühle wird umgenutzt
Mit dem technologischen Fortschritt konnte die Mühle in Seon nicht mehr mithalten. Ab 1963 stand das Mühlenrad still, und die Bäckerei nebenan löschte 1973 die letzten Lichter.
Die Mühle wird verlassen
Der vorletzte Besitzer wollte die Mühle komplett renovieren und ausbauen. Dazu kam es nie — er hat alles hingeschmissen und gilt bis heute als verschollen. Das abrupte Verschwinden hat Spuren hinterlassen: Kessel mit angerührtem Pflaster, Bauschutt, Schrott und Dreck sowie überstellte Räume mit Müll und Gestank beherrschten die einst prächtigen historischen Räume.
Die Mühle erhält neuen Glanz
Im Jahr 2013 hat das neue Besitzerpaar die Mühle, die zehn Jahre leer stand, komplett renoviert. Im November 2015 konnte sie wieder eingeweiht werden. Aus der Mühle ist ein Mühlerama geworden.

Die Ölmühle
Eine hundertjährige Anlage aus Villnachern
Im November 2015 durften wir nach einer längeren Planungs- und Umbauphase das Mühlerama in Seon eröffnen. Da uns das Müllervirus gepackt hat und wir uns über eine tolle Nachfrage freuen dürfen, haben wir in unserer Mühlescheune eine Ölmühle eingebaut. Diese kann für kleinere Gesellschaften separat gemietet werden oder dient grösseren Gesellschaften als zusätzlicher Apéroraum mit dem speziellen Etwas.
Wir konnten den Mühledoktor Kurt Fasnacht gewinnen, eine über hundertjährige Ölmühle einzubauen, die er vor Jahren in Villnachern vor der Verschrottung rettete. Für viele ist der Mühledoktor bereits ein Begriff — er sanierte fachmännisch auch unser grosses Wasserrad. Unsere Gäste können live miterleben, wie Nussöl von feinster Qualität gepresst wird. Die Anlage verfügt über einen imposanten Kollergang zum Mahlen der Nüsse, einen Ofen zum Aufheizen des Nussbreis und eine Presse zur Gewinnung des Öls.

Aus erster Hand
Wie die Ölmühle nach Seon kam
Durch Zufall stiess ich 2013 auf eine Getreide- und Ölmühle die ausgebaut werden sollte. Bei so einem Gedanken komm selbst ich ins schwitzen. Wohin bloss mit all den alten Maschinen? Ins Alteisen? Dass kann es ja wohl nicht sein! So baute ich all die Maschinen von Getreide und Ölmühle aus und transportierte sie zu mir in meine Mühle. Als ob da noch viel Platz wäre… Die Ölmühle übte von Anfang an eine besondere Faszination auf mich aus. Lange versuchte ich in mehreren Anläufen die Maschinen bei mir im Mühlekeller aufzubauen. Erst auf eine Anfrage eines Kunden kam die Sache wirklich ins rollen. Ich konnte die gesamte Ölmühle ca. 5 Dörfer weiter in eine Mühlenscheune einbauen wo sie nun zum laufen kommt, ein absoluter Glücksfall!
Die Maschinen der Ölmühle sind speziell, weil die Nusskernen in einem „sonderlichen“ Kollergang zermahlen werden. Dieser Melangeur aus einer ehemaligen Schokoladenfabrik ist in seiner Form und seinem Alter wohl einzigartig. Der Ofen und die Presse sind wie der Melangeur mit Motor via Transmission angetrieben. Die gesamte Anlage schätze ich in die Zeit um 1910 plus/minus 10 Jahre. Die Restaurierung der Maschinen forderte einiges Fachwissen. Reinigung, Konservierung und Ergänzungen waren dabei das Kleinste. Beim Kollergang wurden die Holzzähne des Winkelzahnrades neu hergestellt und eingesetzt. Die Achse der rollenden Steine war derart ausgeschlagen, das wir die Welle abdrehen, neu aufspritzen und wieder auf Mass drehen mussten. Ebenso die Lager in den rollenden Steinen mit ihren 45 Grad Anfasungen. Durch den Ausbau war die stehende Hauptwelle zertrennt. Auch diese wieder mit einer Manschette zusammenzubringen erforderte viel Fingerspitzengefühl vom Mechaniker. Insgesamt strapazierte der Kollergang das Restaurierungsbudget über Massen, die Einzigartigkeit der Maschine rechtfertigt jedoch den Aufwand. Desgleichen mussten wir die Heizung unter dem Wärmeofen neu herstellen lassen. Die Dichtung des Presskolbens in der Presse wurde wie im Original wieder mit Leder eingesetzt. Die Pumpe der Presse erhielt komplett neue Dichtungen.
Alles in Allem eine Arbeit über Monate die sich meiner Ansicht mehr als gelohnt hat. So wie die Anlage nun dasteht freut sie nicht nur mich. Die neuen Besitzer sind sehr daran interessiert die Ölmühle regelmässig zu betreiben und mit Anlässen zu beleben.
Kurt Fasnacht, MühledoktorDer Bericht ist im Wortlaut von Kurt Fasnacht wiedergegeben.
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